Verkörperung – Fluss, Grenze und innere Orientierung

Verkörperung ist kein Stillstand.
Verkörperung ist Bewegung.

Weder hektisch.
Noch ungeordnet.
Sondern fließend.

Verkörperung ist fließen.

Verkörperung zeigt sich dort, wo etwas in Bewegung ist und bleibt, ohne sich zu verlieren.

Emotionen dürfen fließen.

Sie bewegen sich durch den Körper, statt festzuhängen, zu stauen oder sich einzubrennen.

Bleiben unsere Emotionen, Haltungen, Muster, Erfahrungen hilflos hängen werden wir starr. In all unseren Körpern: dem physischen, dem emotionalen, dem physiologischen (u.a. Atmung) und dem mentalen. Die Ergebnisse erleben wir jeden Tag in der Welt. Eine Welt voller Erstarrungen. Und drei Affen: keiner sieht was, keiner hört was, keiner sagt was. Das jedoch ist ein Thema für einen anderen Artikel.

Fluss heißt nicht Haltlosigkeit.
Und Klarheit heißt nicht Härte.

Beides gehört zusammen.

Verkörperung bedeutet: Ich bin beweglich – und zugleich klar verortet.

Meine Grenzen lösen sich nicht auf, wenn ich weich werde.

Sie verschwinden nicht im Kontakt.
Sie müssen nicht verteidigt werden.

Sie sind da.

Nicht unantastbar im Sinne von starr.
Sondern verlässlich.

Sie stehen – und erlauben Bewegung aus ihnen heraus. Sie sind unverhandelbar. Ihre Währung ist Klarheit.

Wenn Grenzen verletzt werden, geschieht Verkörperung weder im Aushalten. Noch in einem automatischen Angriff.

Verkörperung zeigt sich darin, dass ich bei mir bleibe und mich für mich einsetze. Für mich engagiere. Einstehe.

Ich wähle.
Ich wäge ab.
Ich ändere etwas.
Ich umgehe.
Ich gehe durch.
Oder ich gehe.

Nicht aus Reflex.
Nicht aus Anpassung.
Nicht aus Übererregung.

Sondern aus Mitte.

Diese Mitte ist kein Konzept. Sie ist spürbar.


Interozeption

Hier kommt Interozeption ins Spiel.

Interozeption ist die Wahrnehmung dessen, was im Inneren geschieht, und eine richtige Einordnung dessen:
Spannung.
Weite.
Druck.
Wärme.
Unruhe.
Stimmigkeit.

Keine Analyse. Kein Dauerfokus.

Sondern als leiser Referenzpunkt.

Verkörperung heißt nicht, ständig nach innen zu schauen.
Sondern verlässlich Zugriff zu haben, wenn es relevant ist.

Zu wissen:
Jetzt bin ich noch bei mir.
Jetzt beginne ich, mich zu verlassen.
Jetzt wird es eng.
Jetzt ist es klar.

Interozeption macht Orientierung möglich.
Weder moralisch.
Weder richtig oder falsch.

Sondern funktional.

Echte Verkörperung und funktionale Interozeption gehören zusammen.


Equlibrium

Verkörperung ist deshalb kein Zustand.
Sie ist ein Equilibrium.

Ein Gleichgewicht, das Bewegung erlaubt.
Ein innerer Stand, der nicht einfriert.
Ein Zugriff auf verschiedene Qualitäten – je nachdem, was gebraucht wird.

Stille.
Kraft.
Weichheit.
Entschiedenheit.
Rückzug.
Kontakt.

In der tantrischen Numerologie steht die Zahl 11 für dieses Equilibrium.
1 und 1.
Zwei Pole, die sich nicht aufheben, sondern verbinden.

Stabilität entsteht hier nicht durch Kontrolle, sondern durch Beziehung.


Als ich in einem Haus mit der Nummer 11 lebte, war viel Lebendigkeit da.
Ich war freudig, sichtbar, erfolgreich, erfüllt in meiner Arbeit und im Tanzen.
Ich war glücklich – so, wie ich es damals kannte. Die 11, das Equilibrium zeigte sich in all seiner Pracht. Alles schien gut. War es nach Außen auch. Aber nicht nach Innen.

Glücklich sein, erfolgreich sein, fröhlich sein, frei sein, mich zeigen –
all das war innerlich mit Achtung! Gefahr! gekoppelt. Egal ob echtes Glück oder so tun als ob Glück.

Kein bewusster Gedanke. Keine bewusste Entscheidung. Sondern eine alte körperliche Logik.

Ich war noch nicht vollständig da. Meine Fähigkeit zur Verkörperung war noch nicht so weit. Es gab noch keine stabile Mitte.

Verkörperung ist nichts, das man erzwingen kann. Sie lässt sich nicht festhalten.

Sie wächst mit der Fähigkeit, im Fluss zu bleiben, ohne sich zu verlieren.

Mit klaren Grenzen.
Mit innerer Orientierung.
Mit Zugriff auf sich selbst.

Verkörperung ist kein Ideal.
Sie ist eine Praxis im besten Sinn: ein wiederkehrendes Einnehmen der eigenen Mitte.

Fließend.
Klar.
Stabil.

Und genau deshalb lebendig.


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