
Verkörperung – und was sie in der Welt verändert
Verkörperung wirkt.
Nicht spektakulär.
Aber real.
Und zwar:
– im Körper
– im Verhalten
– im Zwischenmenschlichen
– im Feld, das entsteht
Macht Verkörperung die Welt zu einer besseren?
Ich glaube ja.
Nicht als Ideal.
Nicht als Hoffnung.
Sondern als Beobachtung.
Verkörperung führt nicht zu großen Gesten.
Sie führt zu etwas anderem:
Verkörperung → Innehalten.
Innehalten → weniger Rechtfertigen, weniger Argumentieren.
Weniger Schein → mehr Sein.
Mehr Sein → andere Handlungen.
Auch ganz kleine.
Und diese kleinen Handlungen verändern etwas.
Atmosphäre.
Kontakt.
Miteinander.
Nicht moralisch.
Nicht missionarisch.
Sondern praktisch.
Im Körper lässt sich das gut verstehen.
Im Yogasitz ist man nicht vor der Mitte. Nicht hinter ihr.
Man sitzt auf den Sitzbeinhöckern.
Das ist nicht immer bequem.
Und genau deshalb hält man den Yogasitz nicht dauerhaft.
Man nimmt ihn ein.
Und ist.
Aus dieser Mitte heraus ist Bewegung möglich.
Nach vorne.
Zur Seite.
Nach hinten.
Nach oben und nach unten. In alle Richtungen.
Verkörperung ist kein Zustand, den man festhält.
Sie ist ein Einnehmen und Sein.
Immer wieder.
Was das mit der Welt zu tun hat, zeigt sich im Alltag.
Ein DHL-Fahrzeug steht an einer Einmündung.
Es wartet.
Man hält an.
Lässt es durch.
Nicht aus Pflichtgefühl.
Nicht, um ein guter Mensch zu sein.
Nicht, um es später irgendwo zu erzählen.
Sondern weil man da ist.
Vielleicht gibt es ein kurzes Nicken.
Vielleicht ein Lächeln. Eine Hand zum Gruß aus dem Fenster.
Vielleicht auch nichts.
Trotzdem ist etwas passiert.
Nicht spektakulär.
Nicht heldenhaft.
Aber echt.
Solche Momente sind banal.
Alltäglich.
Unheroisch.
Und genau deshalb tragen sie.
Verkörperung kennt nur eine Sprache:
echt.
Unser kleinster – und zugleich größter – gemeinsamer Nenner ist das Menschsein.
Das ist uns nicht immer gut gelungen.
Aber es gab sie immer:
Menschen, die ganz waren.
In machtvollen Positionen.
Und in sehr stillen.
Heute leben wir in einer durchlässigeren Zeit.
Mit mehr Bewusstsein.
Mit mehr Möglichkeiten.
Nicht als Verpflichtung.
Sondern als Wahl.
Wenn wir schon hier sind, können wir bleiben.
Oder, um es mit einem Lied aus meiner früheren Heimat, dem Rheinland, zu sagen:
‚Wenn nicht jetzt, wann dann.‘
Nicht als Parole.
Sondern als leise Entscheidung.
Verkörperung macht die Welt nicht perfekt.
Aber sie macht sie wirklicher.
Und das reicht oft schon,
damit etwas gut wird.






