
Verkörperung – Verkörperung heißt bleiben
Verkörperung ist ein Wort, das derzeit viel benutzt wird.
Es taucht in Programmen auf, in Versprechen, in Zuschreibungen.
Oft klingt es voll – und bleibt dennoch ungetragen.
In der Sprache meint Verkörperung Darstellung.
Etwas steht für etwas anderes.
Manchmal wird von Licht gesprochen.
Von Strahlen.
Von etwas, das gezeigt werden soll.
Mich interessiert weniger eine künstliche Darstellung.
Nicht eine Rolle. Nicht ein Bild.
Sondern, dass etwas da ist, wenn ich bleibe.
Und leuchtet, ohne gezeigt zu werden.
Ich existiere. Punkt.
Verkörperung heißt für mich, dass ich nicht mehr ausweiche.
Nicht abhaue.
Mich nicht verstecke.
Nicht so tue, als ob.
Das ist kein innerer Zustand. Keine Übung.
Keine Haltung, die man einnimmt.
Es ist ein Bleiben.
Ohne Auftrag.
Ohne Ziel.
Ausweichen war bei mir selten laut.
Es zeigte sich darin, dass ich gehofft habe.
Dass ich geschwiegen habe.
Dass ich mich bei anderen beschwert habe,
statt bei mir zu bleiben.
Dass ich mich aufgeregt habe.
Dass ich Verantwortung getragen habe, wo sie nicht meine war.
Dass ich den Atem gehalten habe. Und mich dabei verlassen habe.
Aufregung ist eine Bewegung nach außen.
Hoffnung auch.
Beides bindet Energie dort, wo sie nicht trägt.
Das Leben ist viel zu schön, um sich über andere aufzuregen.
Nicht als moralischer Satz.
Sondern als körperliche Erkenntnis: Ich verliere mich dabei.
Verkörperung heißt nicht, dass all das nicht mehr passiert.
Sondern dass ich merke, wann ich mich verlasse.
Und bleibe.
Verkörperung ist kein Ziel. Und keine Absicht.
Kein spiritueller Zustand.
Keine Frequenz.
Nichts, was „kommt“. Oder an dem ich hart arbeiten muss.
Sie entsteht nicht. Sie ist immer schon da.
Sie wird sichtbar.
Verkörperung zeigt sich für mich nicht im Tun, sondern darin, dass ich eine Mitte habe, die da ist.
Nicht eingebildet, sondern gespürt.
Diese Mitte muss nicht hergestellt werden.
Sie trägt auch dann, wenn nichts gelöst wird.
Wenn nichts entschieden ist.
Wenn es still wird.
Verkörperung heißt:
Ich bin da.
Und ich gehe nicht weg.
Yoga ist für mich kein Weg dorthin.
Keine Methode, um diese Mitte zu finden.
Kein Werkzeug, um etwas herzustellen.
Kein Konstrukt. Keine Worthülse.
Yoga ist ein Raum.
Ein klarer Rahmen.
Eine Ordnung.
Yoga ist für mich ein Instrument.
Nicht, weil etwas fehlt.
Sondern weil etwas da ist.
Die Mitte, von der ich spreche, war nie weg.
Sie war überlagert von Aufregung, Anpassung, Hoffnung, Tun.
Praxis bedeutet hier nicht, etwas zu bekommen.
Sondern weniger dazwischen zu stellen.
Nicht, damit etwas entsteht – sondern damit das Ausweichen schwieriger wird.
In diesem Raum kann man nicht so leicht hoffen, sich aufregen, sich erklären,
sich selbst überspringen.
Man bleibt.
Oder man merkt, dass man gerade geht.
Beides ist ehrlich.
Verkörperung ist nichts Neues.
Sie kommt nicht.
Sie wird nicht offenbart.
Sie ist nicht Teil eines Programms.
Sie ist das, was bleibt, wenn man aufhört, sich selbst zu verlassen.






